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Unvergessen: Martin Hilleprandt

Porträt von Martin Hilleprandt
1938 - 2020

Ein Mann, der Geschichte bewahrte

Martin Hilleprandt war Unternehmer, Gastronom, Geschichtsliebhaber und vor allem Familienmensch. Als er 1980 die Bratwurstküche übernahm, hätte das alte Haus auch verschwinden können. Er entschied sich für das Gegenteil. Er bewahrte es, gab ihm neues Leben und machte daraus einen Ort, der heute weit über Nürnberg hinaus bekannt ist.

Wer ihn kannte, erinnert sich an einen wortgewandten und humorvollen Mann, der genau wusste, was er wollte.

„Wenn mein Vater etwas wollte, dann hat er es durchgezogen.“

Sofia Hilleprandt

Historische Aufnahme des Hauses in der Zirkelschmiedsgasse in Nürnberg
Die historische Feuerstelle mit Kupfertöpfen in der Bratwurstküche Nürnberg
Sein Wirken

Aus einem bedrohten Wirtshaus wurde ein Stück Nürnberg

1980 kaufte Martin die Bratwurstküche. Für das Haus lag damals bereits eine Abbruchgenehmigung vor. Martin entschied sich gegen den Abriss. Gemeinsam mit den Altstadtfreunden und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurde das mittelalterliche Ensemble aufwendig saniert. Dr. Erich Mulzer und Dr. Eva Meyer von den Altstadtfreunden hatten großen Anteil daran, dass das Haus erhalten blieb.

So viel Originalsubstanz wie möglich sollte bleiben: Holzböden, Decken, Ziegelmauerwerk, Butzenscheiben und die historische Feuerstelle. Martin wollte mehr als ein Restaurant. Er wollte eine Sehenswürdigkeit Nürnbergs schaffen. 2017 würdigte die Stadt Nürnberg das Gasthaus offiziell als bedeutende Sehenswürdigkeit.

Tradition, Regionalität und Frische waren seine Leitlinien. Ein Wirt sollte nicht jeder Mode hinterherlaufen, sagte er einmal in einem Interview. 2013 führte er mit seiner Tochter Sofia die geschützte Marke Original Nürnberger Röstla® ein: rohe Bratwürste vom Nürnberger Metzger, nicht vorgebrüht und über Buchenholzfeuer gegrillt.

Der Mensch hinter dem Wirt

So bleibt er in Erinnerung

Bevor er Wirt wurde, studierte Martin Maschinenbau. Danach arbeitete er im Vertrieb und Marketing einer großen Brauerei und war beruflich viel in Deutschland unterwegs. Geblieben ist er schließlich in Nürnberg.

Seine Familie beschreibt ihn als sympathisch, entschlossen und geschichtsbegeistert. Streitbar konnte er auch sein, sein Humor war trotzdem nie weit. Als Chef war er fürsorglich. Als Vater nahm er sich viel Zeit für seine Kinder. Respekt gegenüber jedem Menschen war ihm wichtig.

Mit Sofia sprach er auch über geschäftliche Fragen. Er gab ihr Feedback und bereitete sie so, fast nebenbei, auf die Zukunft vor. Und dann war da noch der Bratwurstbus: ein roter Oldtimer, den er selbst gebaut hat. Er gehörte zu seinen Lieblingsstücken.

Sein Lieblingsplatz

Historischer Gastraum, Tisch gegenüber vom Tresen. Vier Röstla®, eine Breze mit Butter und ein Hefeweizen.

Zeichnung: vier Röstla, eine Breze und ein Hefeweizen
Martin Hilleprandt mit seiner Tochter Sofia im gulden Stern
Sofia und Martin Hilleprandt, die heutigen Wirtsleute der Bratwurstküche Nürnberg
Sofia und Martin Hilleprandt, die heutigen Wirtsleute der Bratwurstküche Nürnberg
Heute

Was er begonnen hat, führen sie weiter

Martin Hilleprandt starb unerwartet am 1. Oktober 2020. Danach übernahmen seine Kinder Sofia und Martin die Bratwurstküche. Sofia war damals erst 19 Jahre alt, ihr Bruder ging noch zur Schule.

Heute führen beide das Haus gemeinsam. Sie bewahren nicht einfach einen alten Betrieb. Sie führen die Idee ihres Vaters weiter, mit Respekt vor der Geschichte und mit eigenen Gedanken für die Zukunft.

Tradition soll hier nicht stehen bleiben. Sie soll weiterleben.

Ein Licht für Martin

Für Martin brennt hier ein Licht, das nicht ausgeht. Als Dank für alles, was er dem gulden Stern gegeben hat.